Autor: Frank Campen

 

 

Schützenfest 2010 vom 11. bis 14. Juni 2010

 

Chronist und Minister: Diese Kombination kommt selten vor. Im Jahre 2010 war dieses der Fall, und daher werde ich den Bericht zum Schützenfest aus der Sicht eines Ministers verfassen:

 

Es war ein lauschiger Sommerabend im August 2009, als sich der eine und andere per Email mit der Frage beschäftigte, wer denn wohl den Vogel abschießen könnte in Kirspel. Nach einem regen Gedankenaustausch und einigen Tagen Bedenkzeit stand dann der Plan, als Königsstaat anzutreten.

 

Am Samstag, dem 22. August 2009 schoss Thomas Hansen mit dem 104. Schuss den Vogel ab. Seine Minister wurden Reinhard Weber und Frank Campen, Königsadjutant Hubert Hansen. Beim Krönungsball wurde schon mal geprobt, wie man denn die ganze Nacht feiern könnte. Hey, das ging ab! Am nächsten Tag wurden die Proben ausgeweitet. Nach dem Vogelschuß standen die internen Planungen an. Wir stimmten uns ab über Kleider und Anzüge, Fotos und Filme, Getränke und Essen. Einige gemeinsame Abende am lauschigen Raclette, vergnügliche Shoppingtouren und abendliche Anproben steigerten die Vorfreude. Als dann Anfang des Jahres 2010 in Naphausen die ersten Röschen gedreht wurde, war allen klar: Bald geht es los!

 

Es dauerte dann aber noch bis zum 11. Juni 2010. Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen, das Schützenfest startete mit der Beach Party Vol. 2. Wie bereits 2008 hatten die roten Husaren wieder dafür gesorgt, dass bei kühlen Getränken an der Bar und Sommerfeeling mit knisterndem Sand zwischen den Zehen jeder Strand von Helgoland bis Mallorca in den Schatten gestellt wurde. Die Musik machte Zero-Musik, der die Leute begeisterte. Die Cocktails waren köstlich, das Zelt war gut gefüllt, die Stimmung war spitze!

 

Am Samstag waren dann einige wenige beim Aufräumen, und wir vom Königsstaat konnten unsere Gedanken, die wir uns in den letzten Monaten bezüglich des Zeltschmuckes gemacht hatten, endlich in die Tat umsetzen. Während wir gerade das letzte Band gespannt hatten, traf sich das Fußvolk bereits um 13.00 Uhr zum Antreten in der Gustav-Rösler-Straße bei Simons. Pünktlich hatten sich die Regenwolken verzogen. Über die Waldnieler Heide, Steeg und Berg erreichte der Zug Naphausen. Die Nachbarschaft hatte einen majestätischen Königsbogen errichtet, aus dem der Königsstaat nun herauspräsentiert wurde. Der Jägerzug und die roten Husaren richteten dann den Königsmaien auf. Mit einer 0,33 l Bierwaage wurde abschließend der richtige Stand bestätigt. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung und erreichte über Eicken das Gefallenen-Ehrenmal in Birgen. Hier gedachten wir mit einer Kranzniederlegung unserer verstorbenen Bruderschaftsmitglieder. Der Rückweg führte uns über Eicken nach Naphausen, diesmal aber am Königsbogen vorbei direkt zum Festzelt in Eschenrath. Hier errichteten die roten Husaren mit dem Jägerzug den Maien für die Kirmes. Ein letztes Bier im Festzelt beendete einen Umzug, der uns fast durch ganz Kirspel geführt hatte. Es war ein langer Weg, doch auch für jeden eine große Freude. Wann sonst hat man die Gelegenheit, in solch froher Runde seine Heimat so nah zu erleben?

 

Samstagabend, 19.30 Uhr, Königsball. Endlich kann König Thomas seine Frau Sabine, Minister Reinhard seine Frau Antje und ich meine Frau Ute festlich gekleidet mit ins Zelt führen. Die weit über die Grenzen des Niederrheins bekannte Band Saturn spielte zum Tanz, der für uns als Königsstaat aber erst später beginnen sollte. Zuerst bot eine Abordnung der jungen Fahnenschwenkerinnen, die in diesem Jahr erstmals mitgezogen waren, eine Darbietung, die von den Jungjägern und Pagen als Spalier unterstützt wurden. Bei der anschließenden Ehrung unserer verdienten Mitglieder konnten einige Orden an die stolz geschwollene Brust geheftet werden. Das Festzelt war gut gefüllt, als Gastbruderschaften besuchten uns die St. Georg Schützenbruderschaft Dülken Waldnieler Straße e. V., die St. Johannes von Nepomuk Bruderschaft Ungerath 1826 e. V., die Vereinigten Bruderschaften Waldniel e. V. und in diesem Jahr auch die St. Antonius Schützenbruderschaft Niederkrüchten 1430 e. V., bei der unser Schützenbruder Reinhard Oelers Minister war.

 

Nach dem Wecken am Sonntagmorgen um 6.00 Uhr war um 7.30 Uhr Antreten in Eicken, um danach seine Majestät abzuholen. Ab Eschenrath begleitete uns die befreundete Bruderschaft aus Hehler auf unserem Marsch zur Kirche St. Mariae Himmelfahrt, Waldnieler Heide. Auch ein Zug von Verwandten des Königs und eine Abordnung der Landjugend verschönerten den Zug. Unser Praeses Pastor Aymanns zelebrierte das Festhochamt. Die Messe wurde musikalisch sehr stimmungsvoll begleitet von der Blaskapelle Schützenlust aus Nettetal. Zum Antreten an der Kirche formierte sich eine große Schötterei. Bei der anschließenden Parade in Eschenrath wurden die Schützen von vielen Zuschauern gefeiert.

 

Beim Klompenball konnte man wieder erleben, welch kreative Köpfe in Kirspel und Umgebung zu Hause sind. Die vielen phantasievoll gestalteten Holzschuhe machten es der prominenten Jury nicht leicht. Später zog ein Hauch von Karneval ins Festzelt ein. Die Dölker Möhne besuchten unser Schützenfest. Sie feierten ihre Mitkämpferin, unsere Königin Sabine, die aus Dülken stammt und unseren König mit dorthin genommen hat. Der Kirspeler Migrationshintergrund ist bei unserem König Thomas aber noch deutlich erkennbar! Als Niederrheiner schwören wir natürlich auf die Elf vom Niederrhein. So war es nicht überraschend, dass das Borussen-Maskottchen Jünter begeistert empfangen wurde. Autogramme und eigenwillige Tanzeinlagen ließen vor allem die Kinderherzen höher schlagen.

 

Am Montag war um 8.15 Uhr Antreten bei Minister Frank in Berg. In den letzten Tagen hatte sich das Wetter immer weiter verbessert, zur traditionellen Feldmesse am Kreuz in Birgen schien die Sonne vom wolkenfreien Himmel. Einen ersten Zwischenstopp machten wir dann bei der Familie Hansen in Stöcken. Eine zweite Pause wurde bei Minister Reinhard in Naphausen eingelegt. Der Bürgermeister und die örtlichen Ratsmitglieder hatten zu einer Runde geladen. Um hierfür eine Grundlage zu schaffen, hatten die Minister Reinhard und Frank belegte Brötchen gestiftet. Nach kurzem Marsch zum Festzelt konnte der Spieß bei einem zünftigen Frühschoppen sein Büchlein öffnen und einige schwere Vergehen der letzten Tage ahnden.

 

Krönender Abschluss der Feierlichkeiten im Festzelt war der Königs-Gala-Ball am Montagabend. Der Königsstaat, die Offiziere und der Vorstand hatten sich bereits am Königsbogen getroffen, um das offizielle Schützenfest-Erinnerungsfoto schießen zu lassen, als auch der Rest der Bagage eintraf und man gemeinsam gen Eschenrath zog. Als Gäste besuchten uns an diesem Abend die St. Josef Schützenbruderschaft Hehler, die St. Jakobus Schützenbruderschaft Lüttelforst e. V. und die St. Mauritius-Schützenbruderschaft Amern-Renneperstraße 1909 e. V. Anfangs bot der zweite Teil der neuen Fahnenschwenkerinnen wieder eine schöne Vorstellung. Zum Königstanz standen – wie bereits am Samstag – die roten Husaren und der Jägerzug in gewohnt souveräner Weise Spalier, die Kapitäne waren für die Erfrischung des Königsstaates verantwortlich. Saturn spielte die Sterne vom Himmel und zu später Stunde sorgten noch einige lockere Darbietungen – unter anderem das Spalier der Jägerfrauen – dafür, dass es an diesem Abend nicht langweilig wurde. Als die Musik sich schlafen legte, zogen wir mit einem lustigen „Dingelingling“ zum König. Es graute der Morgen, als die letzten in die Betten gingen.

 

Die Kirmes neigte sich dem Ende entgegen. Das Kirmesmännken wehrte sich tapfer, doch am Dienstagabend ging es dann doch in Flammen auf. Wie sagte unsere Majestät: „Wir hätten gerne noch etwas gefeiert, aber das Zelt ist weg. Und das Portemonnai ist leer!“ Für ein paar Würstchen hatte es aber noch gereicht, die wir anschließend in froher Runde verspeisten. Es war eine schöne Zeit, es hat mir – und den anderen vom Königsstaat - viel Spaß gemacht. Ich denke, man hat es uns angesehen. Einfach rausgehen und feiern ist die Devise! Zur Nachahmung wärmstens empfohlen.

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